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Lese-Rechtschreibschwäche / Legasthenie

 

Das Erlernen des Lesens und Schreibens


Für das Erlernen des Lesens und Schreibens sind komplexe Fähigkeiten notwendig, so zum Beispiel:

  • Die Koordination von Auge und Hand
  • Ausgereifte Feinmotorik
  • Entwickelte Seitigkeit ( eindeutige Dominanz der rechten, oder, seltener, der linken Körperhälfte)
  • Raumesrichtungen ( links- rechts; vorne – hinten; oben – unten) unterscheiden können
  • Eindrücke verschiedener Sinnesbereiche sinnvoll aufeinander beziehen können
  • Möglichkeit, sich Wortbilder einzuprägen und diese zu erinnern
  • Verständnis dafür, dass Buchstaben Symbole sind, die nicht sich selbst meinen, sondern etwas anderes.


Wenn nur eine dieser Fähigkeiten nicht entsprechend ausgebildet ist, kann es zu erheblichen Problemen beim Erlernen des Schreibens und Lesens kommen. Diese beiden Kulturtechniken besitzen eine Schlüsselfunktion. Sie sind weitgehend entscheidend für die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben sowie für die Berufsperspektive. Ein Mangel in diesen Bereichen fällt schnell auf. Obwohl die Rechtschreibung mindestens teilweise auf Konvention beruht und nur einen Aspekt des Schreiben Könnens darstellt, müssen Menschen, die sie nicht beherrschen, oft erleben, dass sie an diesem "Mangel" gemessen werden. Nur selten macht man sich klar, was für eine erstaunliche und komplexe Leistung das Lesen und Schreiben lernen in den ersten Schuljahren darstellt.


Anzeichen für eine Lese-Rechtschreibschwäche


Die typischen "Legasthenikerfehler" gibt es eigentlich nicht. Viele Kinder durchlaufen beim Erlernen des Lesens und Schreibens eine kurze Phase, in der sie Buchstaben verdrehen, deren Reihenfolge vertauschen, auch mal spiegelverkehrt schreiben, oder, wenn sie müde sind, die Form des Buchstabens nicht mehr erinnern. In der Regel ist das unproblematisch und geht von selbst vorüber. (Es gibt viele Legastheniker, die gerade diese Fehler nicht machen.) Auch eine gewisse Verzögerung in der Beherrschung der Orthographie muss noch nicht alarmierend sein. Es ist durchaus sinnvoll, dem Kind Zeit zu geben, solange es überhaupt in den Lernprozess eintaucht und dabei Fortschritte macht.

Seien sie aber aufmerksam, wenn anfänglich kleine Probleme beginnen, sich hartnäckig zu verfestigen oder wenn vermehrtes Üben nicht zum Erfolg führt. Oder wenn plötzlich ganz unerwartete Probleme in der Bewältigung des Schulstoffs auftreten. Legastheniker sind in der Regel intelligent, häufig sogar mit überdurchschnittlichen Begabungen in bestimmten Bereichen. Ihre Probleme im Umgang mit den Elementen der Schrift bekommen sie aber durch vermehrtes Üben allein nicht in den Griff. Es ist wichtig, eine Legasthenie oder eine Lese-Rechtschreibschwäche früh genug zu erkennen, damit das Aufschaukeln in eine umfassendere Lernstörung mit psychischen Folgeproblemen vermieden wird. Eine Legasthenie kann sehr unterschiedliche Erscheinungsformen haben. Allen gemeinsam ist aber, dass sich neben den Fehlern, die gemacht werden, noch andere Auffälligkeiten zeigen, so zum Beispiel:

  • Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit auf den Bereich der Schriftsprache zu lenken
  • Leichte Ablenkbarkeit beim Lesen und Schreiben; Schwierigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden
  • Verzögerte Merkfähigkeit für Buchstaben und Wortbilder
  • Verschwimmen der Buchstaben, nicht in der Zeile schreiben können
  • Unleserliches Schriftbild, Probleme beim Ausbilden einer Handschrift
  • Verkrampfung beim Schreiben, evtl. Neigung zum Wegträumen bei Anforderungen
  • Schwierigkeiten, Wortbild und Wortklang richtig aufeinander zu beziehen
  • Schwierigkeiten mit der Körperkoordination
  • Mangelnde Raum- und/oder Zeitkoordination
  • Unfähigkeit oder mangelnde Übung darin, Gespräche mit sich selbst zu führen.


Neben diesen und ähnlichen Problemen finden sich bei vielen Legasthenikern auch ausgeprägt Begabungen, beispielsweise:

  • Kreativität, Einfallsreichtum
  • Stark visuell geprägtes Vorstellungsvermögen
  • Technisches Verständnis
  • Blitzschnelles Erfassen Können von Situationen
  • Praktische Intelligenz



Die Therapie bei Legasthenie/LRS


Ein Teil der Probleme legasthener Menschen geht auf eine partielle Verzögerung der Entwicklungsreife zurück Gewisse Schritte können, therapeutisch begleitet, nachgeholt werden. Die Erfahrung zeigt aber, dass sich gewisse Unterschiede im Umgang mit der Schrift in der Regel erhalten. Eine Legasthenie kann wesentlich gebessert werden, wird aber selten völlig zum Verschwinden gebracht. Der Legastheniker kann lernen, mit seiner Eigenart so umzugehen, dass sie nicht zum Lebenshindernis wird und ihn nicht ins Abseits stellt. Dazu ist es nötig, dass die Schwächen im Bereich des Lesens und Schreibens immer im Verhältnis zu den Stärken der Gesamtpersönlichkeit gesehen werden und dass die Therapie vielschichtig ansetzt. Das Üben des richtigen Lesens und Schreibens gehört selbstverständlich dazu, wird aber methodisch an die besondere Situation angepasst.

So kann man bei Kindern, die mehr im Hören leben, mit dem Erüben des lautgetreuen Schreibens beginnen. Oder man kann bei Kindern, die mehr über die Augen auffassen, mit dreidimensionaler Wortbilderfassung arbeiten. Die Therapie findet immer als Einzeltherapie statt und wird sehr individuell zugeschnitten. Eine genaue Analyse der Stärken und Schwächen geht voraus. Die Dauer der Therapie ist ebenfalls sehr verschieden. Durchschnittlich geht man von ein bis zwei Jahren bei einer Stunde pro Woche aus.

Auch Jugendliche und Erwachsene können durch eine gezielte Therapie zu einer wesentlichen Verbesserung ihrer Situation gelangen. Sie können im Gespräch ihre eigene Lernbiographie, ihre Ängste, ihre Ziele usw. thematisieren. Die Therapiemethode sollte gemeinsam ausgewählt werden.

 

 

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